Im September 2015 war ich zum 7. Immogolf-Cup Berlin eingeladen. Da ich selber vor Jahren dieses Turnier organisiert habe und nie dazu gekommen bin selber zu spielen, war es für mich eine besondere Freude nach fünf Jahren Abwesenheit nicht nur alte Bekannte wieder zusehen, sondern endlich auch spielen zu können.

Allzeit bereit zur Flucht auf den Golfplatz

Die Weltreise und der Umzug in 2014, gefolgt von einer erneuten Weltreise in 2015 haben mein Golfspiel komplett einschlafen lassen. Golfequipment ist nicht gerade für monatelanges Backpacking durch Südamerika oder Asien geeignet. So unterbrach ich meinen Trip für einen kurzen Stopp in der Heimat. In der Woche vor dem Turnier wühlte ich mich durch mein Hab und Gut, das im Keller meiner Eltern seit einem Jahr Staub ansetzte. Zu meiner großen Erleichterung stand mein Golfbag nicht nur ganz vorne, sondern war auch schon fertig gepackt mit Schuhen, Regenhose und zwei Händen voll Golfbälle allzeit bereit – selbst nach einem Jahr Golf-Abstinenz.

Golfplatz Stan Eby Bad Sarrow

Florida Scramble auf Stan Eby

Das Turnier fand vom 11. bis 13. September 2015 im A-ROSA Scharmützelsee in Bad Sarrow statt. Ohne nur einen einzigen Golfschlag in über 365 Tagen war mir schon bei der Anmeldung klar: vorgabewirksam wird es nicht. Die Entscheidung fiel auf Florida Scramble. Klang gut. Natürlich hatte ich keine Ahnung, was ich bei dieser Form von Scramble für Regeln beachten musste, aber Scramble bedeutet Team und im Team spielen nahm den Druck von meiner wachsenden Panik.

Erstaunlicherweise flogen die Bälle auf der Driving Range gut. Nicht weit, aber gerade und nach einem halben Eimer war Schluss. Ich wollte mir meine gute Laune nicht vorzeitig verderben. Vor dem ersten Abschlag bekamen wir erklärt, dass bei Florida Scramble im 4er-Team gespielt wird: Dessen Ball gespielt wird, setzt aus. Sprich, je besser der Schlag ist, desto weniger muss ich spielen. Das klang vielversprechend.

PAR-Golf-Psychologie

Welches Phänomen sich zu meinem letzten Golfspiel nicht geändert hat, ist die Psychologie der PAR-5- und – leider auch – der PAR-3-Löcher. Bei einem PAR 5 fange ich erst gar nicht an zu hoffen, das Loch unter Bogey zu spielen. Meine 8er-Eisen-Schläge sind zwar solide, aber auch nicht so gut, dass ich nur in die Nähe von fünf Schlägen kommen würde. Bei einem PAR 3 sieht die Sache schon ganz anders aus. Alles ist möglich, sogar Birdie: mit dem 7er Eisen locker auf das Grün setzen und dann ein Put – aber dann kommt der Druck des Möglichen. Da geht es nämlich darum, dass ich es eigentlich schaffen könnte. So steigt der Druck und die Wahrscheinlichkeit sinkt, überhaupt einen Punkt zu machen. So gesehen kann ich eigentlich nur PAR-4-Löcher spielen.

Aber das ist das Gute beim Florida Scramble: Für psychologische Panik-Aussetzer, Blockaden oder durch die schlichte Unfähigkeit einen geraden Schlag zustande zu bekommen ist das Team da. Es ist noch nichts verloren bis der Letzte geschlagen hat. Einer wird das Ding schon reißen.

Teamarbeit in der Driver-Krise

Florida Scramble ist die Spielform, bei der das Team trotz Food-Koma nach der Halfway-Verpflegung und mehreren Schwächeanfällen mit minimaler Konzentration und maximalem Frustration das Turnier noch reißen kann: es sind ja die anderen Mitspieler da. Und wenn bei Loch 16 drei von vier Spielern aufgeben wollen, dann braucht es nur einen vierten, um bei dem Loch doch noch einen Punkt zu machen. Es braucht nur einen, von dem man den Ball wieder findet.

Und dann gibt es noch die Momente, in denen das 8er-Eisen auch bei einem Florida Scramble und auch bei einem Paar 5 der Retter in der Driver-Krise ist. Wenn drei Herren nämlich das PAR 5 sehen und gezielt den Driver auspacken, aber den Ball in den unendlichen Weiten des Roughs oder Waldes versemmeln. Dann freu ich mich, wenn ich und mein 8er Eisen helfen können, den Ball auf die Kante des Fairways zu setzen – vielleicht nicht nahe am Loch und sicher nicht so nahe wie ein Ball mit einem Driver gelegen hätte, aber zumindest auffindbar, sichtbar und spielbar.

Gut zu wissen

Es war nicht so schlimm wie ich es mir ausgemalt hatte. Nach über einem Jahr Golf-Abstinenz musste ich zwar kurzzeitig überlegen wie ich den Schläger halten musste, aber es wurde von Loch zu Loch einfacher. Ich habe wieder entdeckt, wie viel Spaß das Spiel macht, wie viel Spaß Golf spielen im Team macht – sicherlich auch, weil wir am Ende gewonnen haben. Es ist gut zu wissen, dass es noch geht. Es ist gut zu wissen, das Golf spielen ein bisschen wie Fahrrad fahren ist. Es ist gut zu wissen, denn die nächste Weltreise kommt bestimmt.