Erst kürzlich hat es Wien – schon wieder – in der neusten Studie der Beratungsgesellschaft Mercer auf Platz eins der 230 Großstädte mit der höchsten Lebensqualität geschafft, gefolgt von Zürich und Auckland. Berlin schafft es immerhin auf Platz 14. Demnach habe ich mich um 13 Plätze verbessert. Aber ist das auch so?

Ich lebe seit knapp sechs Monaten in Wien und musste mich nicht nur an die Unterschiede zu Berlin gewöhnen, sondern mir auch die hoch gelobte Lebensqualität erst erschließen. Offensichtlich gibt es 39 Kriterien, wie sich Lebensqualität definiert, eines davon ist die persönliche Sicherheit.

Persönliche Sicherheit in Wien

Ich habe 24 Jahre meines Lebens in Berlin gelebt und (toi toi toi) mir ist weder bei nächtlichen S-Bahn-Fahrten in der Ringbahn, noch beim illegalen Zelten im Grunewald oder bei täglichen 22 Kilometern Radstrecke zur Universität durch vier Bezirke und über sämtliche Hauptverkehrsadern der Millionenmetropole etwas passiert. In Wien hat es nur sechs Wochen gedauert. Dann hatte ich meinen ersten Fahrradunfall. An dieser Stelle möchte ich jeden Zugezogenen warnen: In Wien wird sich der Fahrradweg häufig mit dem gegenläufigen Fahrradverkehr und den Fußgängern geteilt. Nach dem Unfall war mir dann auch klar, warum die Wege doppelt so breit sind wie bei uns in Berlin.

Zudem sind die Fahrradwege so erschreckend gut ausgebaut, dass das Fahrradfahren in dieser Stadt auf einem ganz anderen Geschwindigkeitslevel passiert. Es gibt keine aufgeplatzten Pflastersteine durch die die Baumwurzeln hindurchbrechen und der weibliche Radfahrer sich wünschte er hätte einen Sport-BH angezogen. Die Wege um den Ring und auf den großen Achsen sind zudem so strukturell in den Verkehr integriert, dass parkende Autos keine Chance haben die Fixies in irgendeiner Weise zu verlangsamen oder sie zum Abbremsen zu zwingen. Leider hat mir das alles auch nicht geholfen als ich dem armen Fahrradkurier frontal reingerasselt bin.

38 weitere Kriterien für Lebensqualität

Zugegeben, ich bin nicht objektiv. Und auch wenn ich aus Berlin wegziehen musste, um zu erkennen wie ich es vermisse (und zu jeder Gelegenheit heillos in den Himmel lobe), gibt es noch 38 weitere Kriterien, die Lebensqualität ausmachen und da hat selbst bei meinem Berliner Herzen, Wien ein Stein im Brett.

Gerne erinnere ich mich daran, als ich das erste Mal aus der U Bahn am Schottentor gestiegen bin. Die Menschenmassen bewegten sich wohl gesittet die zwei Rolltreppen nach oben. Keiner drängelt. Keiner schiebt sich unachtsam vorbei. Rechts stehen, links gehen. Und da waren sie: Drei dreieckige Warnhütchen mit der Aufschrift „Vorsicht“ und einem kleinen Piktogramm eines Männchen, dass ausrutscht. Das Hindernis, ein Überbleibsel der letzten Nacht eines vielleicht betrunkenen Erstsemestrigen oder von jemandem, dem einfach nur schlecht war. In Berlin würden sie aus dem Warndreieck-Aufstellen gar nicht mehr raus kommen.

Und so gibt es noch unzählige Beispiele, die Wien liebenswert und zu einer Stadt mit unheimlich viel Lebensqualität machen. Ganz zu schweigen von dem fantastischen, voll funktionsfähigen und fertigen Flughafen.